Grammatikalische Alltagsfehler: der Apostroph

//Grammatikalische Alltagsfehler: der Apostroph

Den ersten Beitrag in der Artikelserie „grammatikalische Alltagsfehler“ möchte ich einem besonders markanten Fehler widmen, den jeder Texter kennen sollte. Jeder hat ihn schon mal gesehen: etwa beim letzten Einkaufsbummel in der Innenstadt oder auch im Elektronikmarkt. Wohin das Auge auch blickt, überall scheinen deplatzierte Apostrophe wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Da heißt es dann: „Ingo’s Imbiss“ und „USB Stick’s“. Ganz schlimm hat es den „Bauer’n Hof“ erwischt. Und noch schlimmer sind grammatikalische Entgleisungen solcher Art: „Wollen wir morgen in’s Kino gehen?“

Der „Idiotenapostroph“ auf dem Vormarsch

Die inflationäre Verwendung des Apostrophs hat bereits derart gewaltige Ausmaße angenommen, dass er mittlerweile sogar seine eigene Internetseite hat. Auf Deppenapostroph.info kann man sich die gesammelten Werke des katastrophalen Apostroph-Gebrauchs genauer ansehen. Dort, in der aktuellen Ausgabe vom August, befindet sich der Beweis, dass es der falsch gesetzte Apostroph sogar schon bis in die ZDF „heute show“ geschafft hat.

Jüngere Recherchen haben mich außerdem auf den Wikipedia-Artikel zum Apostrophenwahn aufmerksam gemacht. Hier kann der interessierte Leser Näheres über die stark um sich greifende Apostrophitis in Erfahrung bringen.

Irrungen und Wirrungen in puncto Apostroph

Es hat den Anschein, dass niemand mehr so richtig weiß, wann im Deutschen denn nun das Auslassungszeichen gesetzt wird und wann nicht. Offensichtlich haben einige einfach die Grammatikregeln aus dem Englischen ins Deutsche übertragen und nutzen so munter das kleine Hochkomma vor allem bei Namen im Genitiv, beim Plural auf -s, aber auch bei Verbindungen aus Präposition und Artikel („durch’s“), nicht ahnend, dass sie damit gegen die Regeln der deutschen Rechtschreibung verstoßen. In dieses grammatikalische Wirrwarr will ich eine Schneise schlagen und damit etwas Licht ins Dunkel des korrekten Apostroph-Gebrauchs bringen.

Wann muss denn im Deutschen der Apostroph gesetzt werden?

Der Apostroph muss gesetzt werden

  • bei Wörtern, die durch das Weglassen von Buchstaben schwer lesbar oder missverständlich werden. (Dies ist oft in dichterischen Texten der Fall.)
    • Beispiel: Das war’n (= ein) Kunststück. 
  • bei Wörtern, die im Wortinnern stark verkürzt wurden.
    • Beispiel: Ku’damm (= Kurfürstendamm) 
  • bei Namen im Genitiv ohne Artikel oder Ähnlichem, die auf einen Zischlaut enden wie -s, -ss, -ß, -tz, -z, -x, -ce.
    • Beispiel: Heinz’ Schreibtisch, Lars’ Lieblingsessen 

Wann kann der Apostroph gesetzt werden?

Ein Apostroph ist möglich

  • bei Wörtern der gesprochenen Sprache, in denen Auslassungen zu finden sind und die ansonsten schwer verständlich sind.
    • Beispiel: Was is’n (= ist denn) das? 
  • bei umgangssprachlichen Verbindungen von Verben bzw. Konjunktionen mit dem Pronomen „es“.
    • Beispiel: Was gibts (auch: gibt’s)?
    • Hats (auch: Hat’s) gut geschmeckt? 
  • , wenn die Grundform eines Namens besonders gekennzeichnet werden soll.
    • Beispiel: Mendelsche Regeln (auch Mendel’sche Regeln)
    • Andrea’s Tierbedarf (Die Inhaberin heißt Andrea.)
    • Paco’s Spanische Leckereien (In diesem Fall ist der Apostroph nach der neuen deutschen Rechtschreibung in Einzelfällen möglich, um die Grundform des Namens besonders hervorzuheben. Der Apostroph tritt hier nicht als Auslassungszeichen, sondern als Stammformapostroph auf.)

Wann entfällt der Apostroph?

Der Apostroph wird nicht gesetzt,

  • wenn  das unbetonte -e- im Wortinnern entfällt und die verkürzte Variante geläufiger ist:
    • Beispiel: ich wechsle (= wechsele)
  • wenn das Schluss -e- bei bestimmten Verbformen wegfällt:
    • Beispiel: Lass das sein! / Leg das hin! / Geh da weg!
  • wenn ein Substantiv oder Adjektiv oft in seiner verkürzten Form verwendet wird:
    • trüb (= trübe)
    • Bursch (= Bursche)
  • wenn in einem festen Ausdruck ein Adjektiv oder Pronomen ungebeugt gebraucht wird:
    • ruhig Blut bewahren
    • um gut Wetter bitten
  • wenn Präposition und Artikel üblicherweise miteinander verschmelzen:
    • Beispiel: ans, aufs, fürs, hinters, am, hinterm, vorm, zur usw.
  • wenn Wörter wie heran, herauf, herein, herüber usw. auf Formen, die mit -r- beginnen, verkürzt werden
    • Beispiel: Runter vom Tisch! / Rein mit euch! / Willst du rüberkommen?
  • wenn bestimmte Wörter bzw. Namen in einer Region geläufig sind:
    • Beispiel: Dirndl, Hansl
  • wenn es sich um einen Genitiv oder Plural auf -s handelt:
    • Beispiel: Martinas Geburtstag, Hansis Pokalsammlung, GmbHs

Schriftzeichenkuddelmuddel: Achtung! Verwechslungsgefahr!

Nachdem wir nun gesehen haben, wann der Apostroph im Deutschen verwendet wird, wann nicht und wann es dem Texter überlassen ist, einen Apostroph zu setzen, müssen wir noch einen Blick auf das korrekte Schriftzeichen werfen.

Das Apostrophzeichen sieht aus wie ein kleines hochgestelltes Komma oder einer Miniatur-Neun. Das Bild unten zeigt das korrekte Schriftzeichen.

Tafel, auf dem "der Apostroph" steht

Typografisch korrektes Apostrophzeichen

Viele verwechseln den Apostroph mit dem Accent aigu, also dem Zeichen, das im Französischen die geschlossene Aussprache des Vokals angibt wie beispielsweise im Wort „élégant“.

Unter Windows-Betriebssystemen lässt sich das typografisch korrekte Zeichen mit der Taste ALT und den Zahlen 0146 generieren. Ersatzweise funktioniert auch die Taste SHIFT und das „#“-Zeichen. Hierüber erreichen Sie das einfache Kodierungszeichen. Es ist im eigentlichen Sinne kein Apostrophzeichen, dient aber in E-Mails oder SMS als Ersatz, falls Sie das echte Apostrophzeichen nicht darstellen können. Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema Apostrophzeichen. Weitere Tastenkombinationen für andere Betriebssysteme finden Sie hier.

Noch mehr Beispiele und Erklärungen rund um den Apostroph und seinen Gebrauch hält der Duden oder der Wikipedia-Apostroph-Artikel bereit.

Und worum geht’s im nächsten Teil von grammatikalische Alltagsfehler?

Im zweiten Teil meiner Artikelserie nehmen wir den Gebrauch des Bindestrichs unter die Lupe.

 

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2018-01-25T15:40:43+00:00 Mittwoch, 18 September 2013|Sprache|21 Kommentare

Über die Autorin:

Janett Reimann
Ich bin Dienstleisterin rund um Wort und Text. Ausgerüstet mit einem Sinn für Sorgfalt, einem Auge fürs Detail und einer Portion Kreativität korrigiere, lektoriere, optimiere und schreibe ich Texte für Web und Print. In meinem Blog zeige ich Ihnen, wie Sie verständlicher schreiben, Texte leserfreundlich aufbereiten und auf welche beliebten Rechtschreib- und Grammatikfehler Sie achten müssen.

21 Comments

  1. […] Den Anfang macht ein besonders schlimmer Fehler, der sogar schon von den Redakteuren der ZDF „heute show“ begangen wurde. Die Rede ist vom deplatzierten Apostroph. Aber dazu mehr im ersten Teil von „grammatikalische Alltagsfehler“. […]

  2. Tristan 19/09/2013 um 11:39 Uhr – Antworten

    Hallo,

    toller Artikel einer tollen Serie!
    Ich werde mir die Artikel sicher zum Nachschlagen ablegen.

    Vielen Dank und beste Grüße,
    Tristan

    • textschoepfung
      textschoepfung 19/09/2013 um 12:19 Uhr – Antworten

      Lieber Tristan,

      vielen Dank für die Blumen! Ich freue mich, dass dir die Artikelserie gefällt. Wenn ich Zeit finde, bastele ich auch ein paar Infografiken. Dann hättest du auch etwas zum Ausdrucken.

      Herzliche Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar
      Janett

  3. Robert 25/09/2013 um 10:23 Uhr – Antworten

    Sehr geil! Ich bin mir oft unsicher, ob ich ein Apostroph setzen muss oder nicht, aber mich regen vor allem die ` ´-Zeichen auf. Die sehe ich so häufig auf „professionellen“ Medien, das tut echt weh.

    • textschoepfung
      textschoepfung 25/09/2013 um 10:48 Uhr – Antworten

      Danke, Robert! Man sagt ja nicht umsonst, Deutsch ist eine schwere Sprache. Ich find’s schon erschreckend, wie weit der falsche Apostroph-Gebrauch sich ausgebreitet hat. Und ja: Wörter wie „für`s“ (!) sehen einfach schlimm aus, allein schon wegen des falschen Zeichens.

  4. […] dabei ist, dass sich dieses Deppenleerzeichen ähnlich stark ausbreitet wie sein Kollege, der Deppenapostroph. Namhafte Medien und Karrierenetzwerke bewerben ihren „Intelligenz Test“. Ein […]

  5. […] Der Apostroph […]

  6. Holger 03/07/2015 um 14:49 Uhr – Antworten

    Hallo Frau Reimann,

    leider muss ich einen beliebten Alltagsfehler in Ihrem Text anmerken. „In punkto“ wird mit einem „c“ geschrieben, da es sich von der lateinischen Form ableitet. Das Wort „punkto“, ohne die Präposition „in“, wird mit einem „k“ geschrieben.

    Cheers

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 03/07/2015 um 14:59 Uhr – Antworten

      Hallo Herr Sauerwald,

      offensichtlich hat das Beschäftigen mit grammatikalischen Alltagsfehlern seine Spuren hinterlassen. 😀 Vielen lieben Dank, dass Sie mich auf diesen Fehlerteufel hingewiesen haben. Ich werde ihn schleunigst aus dem Weg räumen.

      Dankbare Grüße
      Janett Reimann

  7. Sandra 17/02/2016 um 07:26 Uhr – Antworten

    Hallo, ich bin etwas verwirrt, aber Ihre Abbildung für einen Apostroph zeigt doch eigentlich ein Komma oder? Der Apostroph sieht doch einer 6 ähnlich oder irre ich jetzt.
    Ansonsten finde ich Ihre Seite wirklich sehr gut und interessant. Den ein oder anderen Fehler habe ich auch bei mir endeckt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Sandra Ortmanns

  8. Sandra 17/02/2016 um 07:37 Uhr – Antworten

    Hallo nochmal, vergessen Sie bitte mein ersten Kommentar bzgl. der Darstellung des Apostrophs in Ihren Beitrag. Mit der Tastenkombination Alt+0146 ist die Darstellung so, wie Sie sie abgebildet haben. Benutzt man aber die Tastenkombination Shift+# gibt es das Apostroph, wie ich es beschrieben habe (und bis jetzt auch immer verwendet habe).
    Nun meine neue Frage: sind beide Zeichen korrekt dargestellte Apostrophs? Bis heute kannte ich die Tastenkombination mit Alt+0146 gar nicht.
    Nochmals freundliche Grüße

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 22/02/2016 um 17:58 Uhr – Antworten

      Hallo liebe Sandra,

      vielen Dank für Ihren Kommentar!

      Das Zeichen, welches Sie über die Tastenkombination „Shift“ und „#“ erzeugen, ist kein richtiges Apostrophzeichen, sondern ein einfaches Kodierungszeichen. Es dient als Alternative z. B. in SMS oder E-Mails, wenn das richtige Apostrophzeichen nicht darstellbar ist. Hier erfahren Sie mehr dazu.

      Aufgrund Ihrer Frage habe ich dies im Blogartikel ergänzt.

      Viele Grüße

      Janett Reimann

  9. Erwin 12/10/2016 um 10:22 Uhr – Antworten

    Hallo,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Eine Frage hätte ich noch. Sie schreiben:

    Lars‘ Lieblingsessen

    Muss es nicht aber heißen

    Lars’ Lieblingsessen?

    (Siehe auch: http://typefacts.com/artikel/apostroph)

    Mit freundlichen Grüße
    Erwin

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 26/10/2016 um 16:05 Uhr – Antworten

      Hallo Erwin,

      ich habe Ihnen zu danken, dass Sie für mich diesen Fehlerteufel gefangen haben! Er hat sich wohl durch eine falsche Tastenkombination in den Text eingenistet. 🙂

      Ganz lieben Dank noch mal für Ihre kostbare Mithilfe!

      Mit herbstlichen Grüßen

      Janett

  10. […] Sehr ans Herz le­gen möch­te ich Dir ei­nen Ar­ti­kel der Tex­te­rin Ja­nett Rei­mann, der auch aus­führ­li­cher auf die kor­rek­ten Apo­stro­ph-Ver­wen­dun­gen ein­geht: http://www.textschoepfung.de/grammatikalische-alltagsfehler-der-apostroph […]

  11. Klaus-Peter Asmussen 07/06/2017 um 11:15 Uhr – Antworten

    Hallo,
    in Microsoft Word erhält man einen typographisch korrekten Apostroph, wenn man Umschalt- und Strg-Taste gedrückt hält und zweimal die Akzenttaste betätigt. Wieso weiß ich auch nicht.
    Gruß, KIaus-Peter

  12. A. Meiselbach 04/12/2017 um 15:35 Uhr – Antworten

    Guten Tag Frau Reinmann,

    vielen Dank für Ihre äußerst lehrreichen Texte. Bei jedem Ihrer Beiträge habe ich etwas dazu gelernt. Hier hat sich übrigens ein Tippfehler eingeschlichen: „den Wikipdedia-Artikel zum Apostrophenwahn aufmerksam gemacht.“

    Beste Grüße,

    A. Meiselbach

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 25/01/2018 um 15:42 Uhr – Antworten

      Hallo Frau bzw. Herr Meiselbach,

      ich freue mich sehr, dass Ihnen meine Beiträge weiterhelfen konnten. Das ist für mich immer das größte Lob. 🙂 Und herzlichen Dank auch, dass Sie für mich einen Fehlerteufel aufgestöbert haben. Er wurde soeben beseitigt.

      Viele Grüße

      Janett Reimann

  13. Johannes 04/06/2018 um 10:41 Uhr – Antworten

    Moin, eine interessante Website, allerdings sollten Sie sich die Formatierung im mobilen Layout nochmal näher ansehen: lange Wörter in der Überschrift werden nicht ungebrochen und sind daher nur zur Hälfte lesbar, Zitate werden ungünstig vom Text umflossen.
    Liebe Grüße

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 12/06/2018 um 16:13 Uhr – Antworten

      Vielen Dank für Ihren Hinweis, Johannes! Das kommt gleich auf meine To-do-Liste. 🙂

      Viele Grüße

      Janett

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