Grammatikalische Alltagsfehler: der Bindestrich

//Grammatikalische Alltagsfehler: der Bindestrich

Den zweiten Teil von „grammatikalische Alltagsfehler“ möchte ich dem Bindestrich widmen. Auch er ist ein Opfer falscher Verwendung. Hat man ihn anfänglich noch an beinahe jede erdenkliche Stelle gesetzt, geht man mittlerweile sparsamer mit dem Bindestrich um: Jetzt lässt man ihn oft einfach weg. Beispiele gibt es zur Genüge. Allein der Blick in meinen Küchenschrank fördert gleich drei von ihnen zutage, wie man unschwer auf dem unteren Bild erkennen kann.

Hier fehlt der Bindestrich

Bindestrichlos: Beispiele für fehlende Bindestriche. Gefunden in meinem Küchenschrank. Wie sieht’s in Ihrem Küchenschrank aus?

Das Wort „Dinkel Mehl“ gibt es im Deutschen nicht. Hierbei handelt es sich um ein zusammengesetztes Wort und deswegen muss es auch zusammengeschrieben werden – „Dinkelmehl“ lautet demnach die richtige Schreibweise. Will man die beiden einzelnen Nomen besonders betonen oder die Lesbarkeit erleichtern, so kann man auch einen Bindestrich setzen. Dann hieße es „Dinkel-Mehl“. (Obwohl ich persönlich den Bindestrich an dieser Stelle nicht setzen würde, weil es sich hierbei um ein sehr kurzes Wort handelt, das auch ohne Bindestrich gut lesbar ist.) Alles andere ist grammatikalisch falsch geschrieben und wird umgangssprachlich sogar als „Deppenleerzeichen“ bezeichnet.

Das Deppenleerzeichen sorgt für Verwirrung

Das große Problem dabei ist, dass sich dieses Deppenleerzeichen ähnlich stark ausbreitet wie sein Kollege, der Deppenapostroph. Namhafte Medien und Karrierenetzwerke bewerben ihren „Intelligenz Test“. Ein Lebensmittelhersteller geht unter die Kannibalen und verkauft in Dosen „Artischocken Herzen“. Und auf der „Hannover Messe 2013“ wird die Zahl 2013 gemessen. Optische Eindrücke dieser und weiterer Beispiele finden Sie auf der Seite Deppenleerzeichen.de.

Weil er so flächendeckend auftritt, müssen sich Texter vor diesem Fehler besonders hüten. Denn fehlende Bindestriche sind Unruhestifter. Sie rauben Sätzen ihren Sinn, lassen Wörter ohne Zusammenhang hilflos im Satz baumeln und sorgen so für jede Menge Verwirrung wie beispielsweise bei der folgenden Überschrift:

„General Vollmacht zurückgezogen“

Wer oder was ist hier zurückgezogen worden? Der Leser kann im ersten Augenblick nicht genau sagen, ob es sich um eine „Generalvollmacht“ oder den Herrn „General Vollmacht“ handelt.

Bindestrich: Ein Strich, der verbindet, was zusammengehört.

Um diese unklaren Fälle zu vermeiden, werden im Deutschen Wörter entweder zusammengeschrieben oder durch einen Bindestrich miteinander verbunden. Darüber hinaus benutzt man den Viertelgeviertstrich oder Divis, wie der Bindestrich noch genannt wird, auch als Trenn- und Ergänzungsstrich. Wie die wichtigsten Regeln im Einzelnen aussehen, möchte ich im Folgenden erklären.

Wann setzt man einen Bindestrich?

Der Bindestrich verbindet, gliedert, betont und ergänzt

  • Der Bindestrich dient der Hervorhebung einzelner Elemente von Wortverbindungen, um erkenntlich zu machen, dass diese besonders betont werden sollen:
    • Top-Platzierung
    • Ich-Sucht
    • be-greifen
  • Der Bindestrich markiert dabei eine Haupttrennfuge:
    • Puppenwagen-Zubehör (nicht: Puppen-Wagenzubehör)
  • Bindestriche machen deutlich, aus welchen verschiedenen Einzelfarben ein Kleidungsstück oder Gegenstand besteht:
    • das gelb-orange T-Shirt (Das T-Shirt ist gelb und orange.)
    • der blau-rot gestreifte Pullover (Der Pullover hat die Farben Blau und Rot.)
  • Bindestriche setzt man auch, um Missdeutungen zu vermeiden:
    • Druck-Erzeugnis (= Erzeugnis einer Druckerei)
    • Drucker-Zeugnis (= Zeugnis eines Druckers)
  • Auch bei drei aufeinandertreffenden gleichen Buchstaben sorgt der Bindestrich für ein besseres Verständnis:
    • Schiff-Fahrt (oder: Schifffahrt)
    • Tee-Ei (oder: Teeei → Zugegeben, dieses Wort sieht auf den ersten Blick aus, als hätte es einen Tippfehler.)
    • Hawaii-Inseln (oder: Hawaiiinseln)
  • Enthalten zusammengesetzte Wörter Wortgruppen, Abkürzungen, Einzelbuchstaben oder Ziffern, dann wird ein Bindestrich gesetzt:
    • Make-up
    • Dipl.-Päd.
    • H-Milch
    • das Entweder-oder
    • Magen-Darm-Grippe
    • 100-prozentig (aber: 100%ig)
    • 100-m-Lauf
    • Kfz-Zulassungsstelle
    • UNO-Sicherheitsrat
    • Abt.‑Leiter
  • Längere Substantivierungen mit Infinitiven schreibt man mit Bindestrich, damit man sie leichter erfassen und verstehen kann:
    • das Aus-der-Haut-Fahren
    • das Sich-nicht-mehr-Einkriegen
    • das Sich-nicht-unterkriegen-Lassen

Tipp: In solchen Durchkopplungen werden immer das jeweils erste Wort, das substantivierte Verb (im Beispiel oben etwa „lassen“) sowie alle Substantive großgeschrieben. Die restlichen Wörter unterliegen der Kleinschreibung.

  • Nachsilben, die mit einem Einzelbuchstaben verbunden sind, werden immer mit Bindestrich geschrieben:
    • x-fach
    • n-tel
    • zum x-ten Mal
  • Haben Wortverbindungen einen gemeinsamen Bestandteil, zeigt der Bindestrich eine Auslassung an. Er tritt dann als Ergänzungszeichen in Erscheinung. Weil er sinngemäß das Wortende markiert, steht nach dem Bindestrich ein Leerzeichen ( ):
    • die neue Herbst- und Wintermode
    • die Ein- und Ausfahrt (oder: Ein-/Ausfahrt)
    • die Be- und Entladung

Und wann fällt der Bindestrich weg?

  • Kein Bindestrich steht, wenn in Verbindungen das erste Adjektiv die Bedeutung des zweiten näher beschreibt:
    • schwerreich
    • tiefblau
  • Auch Farbwortverbindungen kommen ohne Bindestrich aus, wenn es sich um Mischfarben handelt:
    • das gelborange T-Shirt (Das T-Shirt hat einen gelbstichigen Orangeton.)
    • der blaurot gestreifte Pullover (Der Pullover hat bläulich rote Streifen.)
  • Entgegen dem allgemeinen Trend, Bindestriche zwischen jede Wortverbindung zu platzieren (umgangssprachlich auch: „Deppenbindestrich“), erfordern kurze Verbindungen keinen Bindestrich, weil die Lesbarkeit nicht gefährdet ist:
    • Badematte
    • Teppichklopfer
    • Texterhandbuch

Tipp: Texter müssen für sich abschätzen, wann ein Wort wegen seiner Länge als unverständlich wahrgenommen wird. Am besten funktioniert das, indem Texter den Text laut vorlesen. Sobald man beim Lesen ins Stocken gerät, sollte das Wort lieber mit Bindestrich geschrieben werden.

  • Der Duden empfiehlt Zusammensetzungen, in denen Adjektive und Partizipien an zweiter Stelle stehen, ohne Bindestrich zu schreiben:
    • fetttriefend (lieber nicht: Fett-triefend)
    • seeerfahren (lieber nicht: See-erfahren)
  • Werden Zusammensetzungen mit Infinitiven substantiviert und sind verhältnismäßig kurz, entfällt der Bindestrich:
    • das Sichverlieben
    • das Bekanntwerden
  • Bei Nachsilben, die mit Zahlen oder Buchstaben verbunden sind, steht kein Bindestrich:
    • 68er
    • 10tel
    • FKKler
    • 15%ig (aber: 15-prozentig)

Typografie: Der Bindestrich ist kein Gedankenstrich!

Die Regeln sind nun klar, aber wie sieht es mit dem typografisch korrekten Zeichen aus?

Korrektes Schriftzeichen des Bindestrichs.

Der Bindestrich ist eine kurze, waagerechte Linie. Strich ist Strich, denken sich viele und setzen den Bindestrich einfach als Universalstrich ein. Dabei wird aber nicht bedacht, dass andere Striche wie zum Beispiel der Gedankenstrich auch andere Funktionen erfüllen. Leser nehmen sehr wohl wahr, wenn sie auf ein falsch verwendetes Zeichen treffen, und reagieren stutzig. Ein professioneller Texter muss also stets darauf achten, Binde- und Gedankenstrich zu unterscheiden. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist die Länge. Das folgende Bild veranschaulicht das:

Der Bindestrich ist kürzer und etwas dicker als der Gedankenstrich.
Unter Windows-Betriebssystemen kann der Bindestrich direkt über die Tastatur eingegeben werden. Er befindet sich zwischen der Punkt- und der rechten Umschalttaste. Weitere Tastaturbelegungen finden sich im Wikipediaartikel.

Auf der Duden-Website kann man alle Regeln noch einmal nachlesen. Viele Beispiele liefert auch canoo.net.

Und was erwartet mich im dritten Teil der Serie?

Nun, weil wir ihn hier schon erwähnt haben, soll er auch seinen eigenen Beitrag bekommen: Die Rede ist vom Gedankenstrich.

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2018-01-30T16:30:48+00:00 Donnerstag, 26 September 2013|Sprache|34 Kommentare

Über die Autorin:

Janett Reimann
Ich bin Dienstleisterin rund um Wort und Text. Ausgerüstet mit einem Sinn für Sorgfalt, einem Auge fürs Detail und einer Portion Kreativität korrigiere, lektoriere, optimiere und schreibe ich Texte für Web und Print. In meinem Blog zeige ich Ihnen, wie Sie verständlicher schreiben, Texte leserfreundlich aufbereiten und auf welche beliebten Rechtschreib- und Grammatikfehler Sie achten müssen.

34 Comments

  1. […] zweiten Teil meiner Artikelserie nehmen wir den Gebrauch des Bindestrichs unter die […]

  2. Stefanie Norden 27/09/2013 um 15:08 Uhr – Antworten

    Sehr guter Artikel. Mich macht das Deppenleerzeichen inzwischen regelrecht aggressiv.

    Wobei ich zugeben muss, dass ich fremdsprachige Wörter bisher eher nicht mit Bindestrich verbunden habe (z.B. Facebook Page), sondern eher zum Bindestrich gegriffen habe, wenn zwei Sprachen vermischt werden (z.B. Facebook-Seite). Sollte man da trotzdem einen Bindestrich setzen, obwohl es sich ja generell um ganze Ausdrücke (z.B. Social Media, Content Marketing) einer anderen Sprache handelt?

    Beste Grüße & ein schönes Wochenende,

    Stefanie Norden
    B2N Social Media Services

    • textschoepfung
      textschoepfung 27/09/2013 um 16:49 Uhr – Antworten

      Hallo Stefanie,

      danke schön! Mir sträuben sich auch jedes Mal die Haare, wenn ich ein Deppenleerzeichen sehe. Zu Deinen interessanten Fragen:

      Laut Duden schreibt man zusammengesetzte fremdsprachige Substantive zusammen oder mit Bindestrich, wenn das Wort dadurch besser lesbar wird. Demnach müsste es entweder „Facebookpage“ oder „Facebook-Page“ heißen. Ich persönlich würde in diesem Fall immer mit Bindestrich schreiben.

      Für Leser sind zusammengeschriebene englische Wörter in deutschen Texten eine echte Stolperfalle. Deutlich wird das auch am Wort „Midlifecrisis“. Als Leser rechne ich meist nicht mit englischen Wörtern in deutschen Texten. Man merkt das zum Beispiel daran, dass englische Wörter aus Versehen deutsch ausgesprochen werden (passiert oft genug). Stößt man beim Lesen dann auf ein langes zusammengesetztes englisches Wort wie „Backupstrategie“, dann ist es aus mit dem schönen Lesefluss. Daher schreibe ich diese Wörter immer mit Bindestrich: Midlife-Crisis, Back-up-Strategie. Auch das Wort „Content-Marketing“ (oder „Contentmarketing“) unterliegt dieser Regel.

      Anders ist es beim Wort „Social Media“. Hier wird ein Adjektiv mit einem Nomen verbunden. In solchen einfachen Kombinationen steht kein Bindestrich. Es darf nur zusammengeschrieben werden, wenn der erste Teil besonders betont werden soll. Ansonsten werden beide Bestandteile getrennt- und großgeschrieben. Hier findest Du eine schöne Übersicht über dieses Thema. 🙂

      Herzliche Grüße und auch Dir ein erholsames Wochenende mit hoffentlich sonnigem Wetter

  3. […] Im zweiten Teil von „grammatikalische Alltagsfehler“ habe ich den Bindestrich bereits näher bel…. Lesen Sie dort, wann man ihn verwenden muss, kann und wann er entfällt. […]

  4. Dieter 20/12/2016 um 12:31 Uhr – Antworten

    Hallo Janett,
    sehr gute Website. Durch Fragen bezüglich Bindestrich bin ich darauf gestoßen. Ich bin selbst Lektor für ein Magazin und stoße dabei immer wieder an Grenzen, wo noch Unklarheiten bestehen bleiben.
    Der Duden und auch PONS beantwortet z. B. auch nicht klar, was ich bei Ausdrücken wie sample-basiert machen soll, also wo das Substantiv (nicht unbedingt ein fremdsprachlicher Ausdruck wie hier) zuerst kommt und das Adjektiv bzw. Partizip nachfolgt. Bei Sample-basiert habe ich ein schlechtes Gefühl, ich würde es lieber sample-basiert schreiben.

    Viele Grüße

    Dieter

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 20/12/2016 um 17:49 Uhr – Antworten

      Hallo Dieter,

      ich danke Dir für Deinen Kommentar! Mit den Unklarheiten bist Du nicht allein. Auch ich schlage ständig Regeln und Schreibweisen nach. Das gehört einfach zum Beruf. 🙂

      Zu Deinem geschilderten Fall:

      Richtig wäre hier die Schreibweise samplebasiert. (Siehe § 36 Absatz 1 und 1.1 der amtlichen Regelung.)

      Im Deutschen werden Verbindungen aus Substantiv und Adjektiv bzw. Partizip in der Regel zusammengeschrieben, also ohne Bindestrich (Duden, Richtiges und gutes Deutsch, Band 9, 7. Auflage 2011, Seite 173). Bei der genannten Wortverbindung wird kein Teil besonders hervorgehoben (so wie z. B. in Ich-Erzähler), auch entsteht durch sie kein Missverständnis (wie beispielsweise bei Altbaucharme und Altbau-Charme) und sie ist auch nicht unübersichtlich (wie etwa Haushalt-Mehrzweckküchenmaschine). Deswegen dürfen wir hier auch nicht Sample-basiert schreiben.

      Beste Grüße

      Janett

  5. lottarosie 17/03/2017 um 14:22 Uhr – Antworten

    Silber-Kette. …gerade im Schulbuch erste Klasse gelesen.

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 23/03/2017 um 16:18 Uhr – Antworten

      Autsch! Silberkette ist ein ganz normales zusammengesetztes Substantiv. Hier muss nun wirklich kein Bindestrich gesetzt werden. 🙁

      • Axel Pittschaft 01/12/2017 um 14:09 Uhr – Antworten

        Hallo, bin heute ute auf diese gestoßen und mir gefällt sie sehr.
        Ich stelle immer häufiger fest dass normale zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich geschrieben werden. Das bringt mich, wegen der Gedankenlosigkeit oder der Unfähigkeit, auf die Palme.

        Viele Grüße

        • Janett Reimann
          Janett Reimann 25/01/2018 um 15:45 Uhr – Antworten

          Hallo Axel,

          das ist auch ein Thema, das mich immer wieder mit den Augen rollen lässt.

          Viele Grüße

          Janett

  6. Fabian 19/07/2017 um 22:38 Uhr – Antworten

    Sehr guter Artikel.
    Habe diesbezüglich auch eine Frage, und zwar schreibe ich eine Arbeit, in der es sich um den CEO dreht. Dabei geht es um Worte wie CEO-Vergütung, CEO-Hybris, CEO-Einfluss usw. Sind die Bindestriche dabei sprachlich korrekt? Getrennt sieht es für mich unkorrekt aus, zusammen würde es sich gefühlt schwer lesen, insbesondere da die CEO Bezeichnung drei an einander folgende Großbuchstaben verlangt.
    LG und vielen Dank für Ihre Hilfe,
    Fabian

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 20/07/2017 um 08:46 Uhr – Antworten

      Hallo Fabian,

      danke für das Lob! 🙂

      Zu Ihrer Frage: Immer, wenn zusammengesetzte Wörter Wortgruppen, Abkürzungen, Einzelbuchstaben oder Ziffern enthalten, müssen Sie einen Bindestrich setzen. Wollen Sie also aus der Abkürzung CEO ein zusammengesetztes Substantiv bilden, dann müssen Sie dieses mit einem Bindestrich zusammenhalten. Richtig ist also CEO-Vergütung, CEO-Hybris, CEO-Einfluss und korrekt müsste es auch CEO-Bezeichnung heißen. Dabei ist es egal, ob die Abkürzung drei oder mehr Einzelbuchstaben aufweist. UNO‑Sicherheitsrat ist ein weiteres Beispiel für ein zusammengesetztes Substantiv, das aus einer Abkürzung mit drei Buchstaben besteht. Meiner Meinung nach erleichtert das Durchkoppeln sogar das Lesen. Auf diese Weise wissen Leser gleich, was zusammengehört.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit weiterhelfen.

      Viele Grüße

      Janett

  7. Angela Wagner 25/08/2017 um 11:50 Uhr – Antworten

    Hallo Janett,
    sehr interessanter Artikel, vielen Dank. Ich schreibe seit kurzem beschreibende Texte für eine Website und kämpfe gerade mit der Frage, auf welche (grammatikalische) Art Keywords untergebracht werden sollen. Wie wirkt sich der Bindestrich oder das Zusammenschreiben auf die Suchmaschinen aus? Also z.B.: ein Kunde sucht nach „Overall“. Käme dann ein Website mit „Fleeceoverall“ oder „Fleece-Overall“ als Treffer?
    Ich denke, das „Deppenleerzeichen“ (super Begriff übrigens) wird oft aus diesem Bedürfnis heraus angewendet, um möglichst viele Suchvarianten abzugreifen, oder?
    Vielen Dank im voraus für Deine Meinung & viele Grüße,
    Angela

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 01/09/2017 um 15:11 Uhr – Antworten

      Hallo Angela,

      danke für das Lob! 🙂 Zu Deiner Frage: Soweit ich weiß, erkennt Google zusammengeschriebene Wörter inzwischen sehr gut. Außerdem legt Google wert auf Rechtschreibung, sodass ich immer dazu tendieren würde, das Wort korrekt zu schreiben. Das vergrault dann auch keine Leser. Google betrachtet übrigens Wörter, die mit Bindestrich geschrieben sind, als zwei einzelne Begriffe. Es macht also keinen Unterschied zwischen Fleece-Overall und Fleece Overall. Wenn ein Kunde nun nach dem Begriff Overall sucht, dann werden ihm alle Suchergebnisse angezeigt, die das Wort enthalten, ob nun mit Bindestrich, getrennt- oder zusammengeschrieben.

      Viele Grüße

      Janett

  8. Oliver 13/09/2017 um 08:50 Uhr – Antworten

    Hallo Janett,

    vielen Dank für diesen wirklich lehr-/hilfreichen Beitrag!

    Könntest du mir bitte verraten, wie man folgendes Wort richtig schreibt:

    ad libitum-Fütterung, ad-libitum-Fütterung, Ad-libitum-Fütterung

    Bin mir da leider nicht sicher, habe im Internet leider auch bislang nichts passendes gefunden. Wo gehören dort Bindestriche hin und schreibt man das A am Anfang groß oder klein?

    Vielen Dank / Viele Grüße

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 13/09/2017 um 15:15 Uhr – Antworten

      Hallo Oliver,

      danke für Deinen Kommentar und das Lob! Es freut mich immer sehr, wenn ich von Lesern höre, dass sie meine Blogbeiträge hilfreich fanden. Dann weiß ich, dass sie ihren Zweck erfüllen. 🙂

      Jetzt zu Deiner Frage: Richtig ist die letzte Variante, also die Ad-libitum-Fütterung. Warum? Es handelt sich hierbei um eine zusammengesetzte, substantivierte Wortgruppe. Da sie substantiviert ist, muss man am Anfang immer großschreiben. Auch alle Substantive innerhalb der Zusammensetzung werden großgeschrieben (hier Fütterung). Alle anderen Bestandteile werden mit Bindestrichen gekoppelt. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort die Ad-hoc-Bildung. Nachlesen kannst Du das Ganze hier auf der Website vom Duden.

      Ich hoffe, ich konnte Dir damit Deine Unsicherheit nehmen.

      Viele Grüße zurück

      Janett

  9. René 21/10/2017 um 17:39 Uhr – Antworten

    Hallo Janett,

    danke für diesen hilfreichen Artikel.
    Ich überlege gerade über das Wort „Kohlenstoffdioxid-Löslichkeit“ nach. Auf Grund der Länge des Wortes würde ich den Bindestrich einbauen, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Einen zweiten Bindestrich vor „Dioxid“ fände ich zu viel. Oder doch „Kohlenstoffdioxidlöslichkeit“? Was meinst Du?

    Vielen Dank.

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 25/01/2018 um 17:03 Uhr – Antworten

      Hallo René,

      es freut mich, dass Dir der Artikel weiterhelfen konnte.

      Ich würde das Wort nicht mit Bindestrich schreiben, da es keine komplexe oder unübersichtliche Zusammensetzung ist. Wenn Du einen setzen möchtest, dann nur so, wie Du schon schreibst: Kohlenstoffdioxid-Löslichkeit. Denn der Bindestrich markiert immer eine Hauptrennfuge. Kohlenstoff-Dioxid-Löslichkeit wäre falsch.

      Viele Grüße

      Janett

  10. Mona 29/10/2017 um 16:40 Uhr – Antworten

    Hallo, Janett,

    vielen Dank für diesen guten Artikel. Ich schätze jeden, der sich bemüht, der Verrohung unserer Muttersprache entgegenzuwirken.
    Ich bin allerdings über einen Fehler gestolpert: „Entgegen dem allgemeinen Trend [sic!] Bindestriche zwischen jede Wortverbindung zu platzieren[…]“
    Hinter „Trend“ muss ein Komma stehen, denn der nachfolgende Invinitiv ist von diesem Wort, also einem Substantiv, abhängig (vgl. https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma: D 117,2.).
    Wie du selbst in deinem Beitrag „Grammatikalische Alltagsfehler: Fremdwörter – mit oder ohne Bindestrich?“ schreibst, sehen zwei Substantive direkt hintereinander einfach nur doof aus, deshalb ist mir der Fehler besonders aufgefallen.
    Nichtsdestotrotz ein wirklich guter Artikel.

    Liebe Grüße
    Mona

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 25/01/2018 um 16:57 Uhr – Antworten

      Hallo, Mona,

      vielen lieben Dank, dass Du mich auf diesen Fehlerteufel aufmerksam gemacht hast! Natürlich muss hier ein Komma stehen.

      Liebe Grüße

      Janett

  11. Thorsten Glebocki 21/11/2017 um 10:20 Uhr – Antworten

    Hallo Janett,
    vielen Dank für Deinen tollen Blog! Ich finde es sehr gut, dass Du die Regeln anführst und jeweils passende Beispiele gibst. Das Deppenleerzeichen hat seit der Erstellung Deines Beitrages leider weiter um sich gegriffen…
    Die Bild-Zeitung hat offenbar seit ein paar Wochen eine interne Richtlinie, möglichst viele zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich zu schreiben wie z.B. Touristen-Hochburg. Auch werden viele adjektive herangezogen (Italien-Trainer statt italienischer Trainer). Worum sie das tun, weiß ich nicht, auf eine Anfrage gab es keine Antwort… vielleicht will man der zunehmenden Leseschwäche entgegenkommen, für mich fühlt es sich leider an wie ,,Neusprech“ in 1984! Dass Sprache im Wandel ist, ist ja klar, aber dass man die Ausdruckskraft durch solche Verhackstückung immer mehr einschränkt, finde ich sehr bedenklich, weil wir alle ja unsere Sprach auch zum Denken benutzen! 🙂

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 25/01/2018 um 16:02 Uhr – Antworten

      Hallo Thorsten,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich kann mir vorstellen, dass viele auf die zerhackte Schreibweise mit Bindestrich zurückgreifen, weil sie annehmen, es wäre leichter zu erfassen. Dabei sind lange Wörter im Deutschen gar nicht so unüblich und die meisten deutschsprachigen Menschen sind durchaus in der Lage Wörter wie Telekommunikationsüberwachungsverordnung (40 Buchstaben) ohne Probleme zu lesen. Sprache ist lebendig und befindet sich im Wandel. Ich finde das auch toll. Nur beim Thema Auseinanderzerren von einfachen Substantivzusammensetzungen kann ich nicht so ganz mitgehen. Ich persönlich lese Erdnussbutter anders als Erdnuss-Butter. Bei letzterem betone ich automatisch den vorderen Teil, was wirklich doof klingt und mich in meinem Lesefluss behindert.

      Viele Grüße

      Janett

  12. Axel 22/02/2018 um 19:35 Uhr – Antworten

    Hallo Janett
    Kann man das Wort Recyclinghof auch getrennt schreiben , z.B. Recycling – Hof ?
    Ist das komplett verkehrt oder kann man das zu Werbezwecken gelten lassen ?

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 04/07/2018 um 15:18 Uhr – Antworten

      Hallo Axel,

      das können Sie, obwohl hier natürlich die Zusammenschreibung schöner wäre, da das zusammengesetzte Substantiv gut lesbar ist. Allerdings müssen Sie aufpassen, dass Sie bei der Getrenntschreibung den Bindestrich setzen, nicht den Gedankenstrich. Es muss also so lauten: Recycling-Hof.

      Viele Grüße
      Janett

  13. Uwe Falk 28/04/2018 um 10:09 Uhr – Antworten

    Sehr guter Artikel Frau Reimnann,
    das mit dem Bindestrich kann zu erheblichen Problemen führen, wie ich, bzw.wir im Betriebsrat gerade erleben.
    Darf ich in diesem Zusammenhang eine Frage stellen?
    Wenn in einem Tarifvertrag steht, „…… werden pro Schicht 10 Minuten Vor- und Nachbereitungszeit als Arbeitszeit gerechnet.“
    Bedeutet das jetzt 10 Minuten insgesamt, oder jeweils 10 Minuten?
    Wenn Sie dazu Ihre Meinung äußern würden, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Vielen im Voraus und ich entschuldige mich schon einmal für eventuelle Fehler 🙂

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 04/07/2018 um 15:11 Uhr – Antworten

      Guten Tag, Herr Falk,

      ich beantworte Ihre Frage gerne. Nach meinem Sprachempfinden würde ich es so verstehen, dass für die Vor- und Nachbereitungszeit insgesamt 10 Minuten als Arbeitszeit gerechnet werden. Zum besseren Verständnis würde ich diese Wortgruppe etwas umformulieren, dann ist es für alle klar, was genau Sie meinen: „… werden pro Schicht 10 Minuten Vor- und 10 Minuten Nachbereitungszeit als Arbeitszeit gerechnet.“

      Viele Grüße
      Janett Reimann

  14. Uwe Falk 28/04/2018 um 10:12 Uhr – Antworten

    Vielen Dank wollte ich natürlich schreiben. Verdammt! 🙂

  15. Heidi 05/06/2018 um 10:34 Uhr – Antworten

    Hallo Janett, danke für Deinen Blogbeitrag, auf den ich heute gestoßen bin. Das Thema beschäftigt mich, weil auch bei uns in der Agentur viele den Bindestrich weglassen. Nur bin ich manchmal selbst nicht sicher, wenn ich zum Beispiel Texte von Kollegen korrigieren soll. Wenn es um die Kopplung deutscher Begriffe geht, ist die Sache eigentlich klar. Doch was ist mit englischen Begriffen in deutschen Texten? Hast du da eine Regel? Zum Beispiel wenn jemand schreibt „Ich bin Experte im Content Marketing“, kommt da zwischen Content und Marketing ein Bindestrich (wie es im Deutschen korrekt wäre) oder keiner (weil es sich um eine aus dem Englischen stammende Wortkombination handelt, für die entsprechend auch die englischen Grammatikregeln gelten)? Solche Beispiele gibt es zuhauf. Besten Dank im Voraus, wenn du Zeit zum Antworten findest. Viele Grüße von Heidi

  16. Marie 08/06/2018 um 16:06 Uhr – Antworten

    Hallo Janett,
    was wäre denn in diesem Fall korrekt:
    „festliche und Alltagsmode“ oder
    „festliche – und Alltagsmode“?
    Mal abgesehen davon, dass man wohl „Fest- und Alltagsmode“ schreiben würde. Mir fällt gerade kein besseres Beispiel für dieses Problem ein.

    Vielen Dank!

    Marie

    • Janett Reimann
      Janett Reimann 12/06/2018 um 15:56 Uhr – Antworten

      Hallo Marie,

      die ersten beiden Ausdrücke würde ich so nicht verwenden. Stilistisch sind sie nicht schön und es ergibt auch keinen Sinn, das Wort „Mode“ einfach wegzulassen. Schließlich ist das Substantiv „Mode“ einmal Bestandteil einer Verbindung mit einem weiteren Substantiv (nämlich „Alltag“) und einmal wird es von einem Adjektiv („festliche“) begleitet. In einer solchen ungleichen Konstellation würde ich nie ein Wort auslassen. Richtig und stilistisch besser könnte es heißen „festliche Mode und Alltagsmode“ oder eben „Fest- und Alltagsmode“. Stilistisch ebenfalls nicht schön, aber durchaus korrekt, ist z. B. folgender Fall: „An dem Marktstand gibt es Erd- und andere Beeren.“

      Viele Grüße

      Janett

  17. Marie 14/06/2018 um 13:10 Uhr – Antworten

    Liebe Janett,
    herzlichen Dank für deine Antwort und viele Grüße!

    Marie

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